Flüssiges Schleifpapier? Geht das?
Andreas Achleitner
Flüssiges Schleifpapier ist momentan in aller Munde. Doch kann man sich auch selber eine Schleifpaste herstellen? Natürlich und es ist einfacher als man denkt.
Meine Schleifpaste besteht aus Mineralöl, Bienenwachs und Kieselgur. Mit Mineralöl werden auch Küchenarbeitsplatten, Jausenbretter sowie Schneidbretter nach deren Fertigstellung eingelassen.
Das Bienenwachs ist ein reines Naturprodukt und Kieselgur in Lebensmittelqualität ist sogar mit Wasser vermengt trinkbar. Es sind also alle Bestandteile Produkte aus der Natur und haben keine künstlichen Zusätze. Letzteres ist auch ein Argument, weil ohne chemische Zusätze man bei Handhabung und Auftrag sich keine Gedanken über irgendwelche Chemie machen muss.
Mischverhältnis nach Gewicht
Mineralöl - 5 Teile - Bienenwachs – 1 Teil - Kieselgur – 1 Teil
Im ersten Schritt steht das genaue Abwiegen der einzelnen Bestandteilen am Programm. Hat man sich auf die Menge festgelegt wird das Mineralöl in einen Topf zusammen mit dem Bienenwachs erwärmt bis die Bienenwachsdragees geschmolzen sind. Hier ist es wichtig die Ofenplatte nicht auf Vollgas laufen zu lassen, es soll ja nicht kochen, sondern nur das Bienenwachs geschmolzen werden.
Anschließend rührt man mit einem Stäbchen den Kieselgur darunter. Auch hier ist weniger mehr und man sollte immer nur kleine Mengen des Kieselgur dazu mischen damit es nicht zu Verklumpungen kommt. Abschließend kann man die Mischung dann in kleinen Plastikdosen einfüllen und somit portionieren.
Wenn das Drechselobjekt auf herkömmliche Weise geschliffen wurde, beispielsweise bis zur Körnung 400, dann kann die Paste mit einem Tuch auf die Holzoberfläche aufgetragen werden. Danach kann die Drechselbank mit einer niedrigen Drehzahl eingeschaltet und mit Hilfe des Tuchs die Schleifpaste rundherum aufgetragen werden. Ist die Schleifpaste rundherum aufgetragen, nimmt man das Schleifvlies mit einer hohen Körnung (ich verwende ein Schleifvlies mit K1000) und beginnt zu Schleifen bis man mit der Oberfläche zufrieden ist.
Was passiert eigentlich mit der Schleifpaste. Die Körnchen des Kieselgur werden mit fortlaufender Dauer des Schleifvorgangs immer kleiner, es verändert sich somit auch fortlaufend die Körnung der Schleifpaste. Dies wird zusätzlich mit der Verwendung eines hochkörnigen Schleifvlieses unterstützt. Das tolle dabei ist, es staubt nicht.
Nachdem man mit der Oberfläche zufrieden ist, nimmt man ein sauberes Tuch und poliert den Überschuss der Schleifpaste runter. Auf diese Oberfläche kann dann ohne Probleme noch ein Wachs- oder Ölfinish aufgetragen werden.
Ich persönlich habe die Schleifpaste auch schon an einer Vase die mit einem Schleifgrund (Sanding Sealer, Lack) bearbeitet wurde aufgetragen und gute Erfahrungen gemacht. Sie wurde sehr glatt. In weiterer Folge war es sogar möglich auf diese flüssig geschliffene Oberfläche ein Lackfinish mit einem 2K Lack problemlos aufzutragen.